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Selbstverletzungen

Heute möchte ich mich einem Thema widmen, mit dem ich in der Praxis immer wieder konfrontiert werde. Bei mir sind es vor allem junge Mädchen, die sich selbst verletzen. Ich schreibe heute über körperliche Verletzungen – denn meiner Meinung gibt es auch ein selbstverletzendes Verhalten im seelischen Bereich.


Die meisten Menschen versuchen, Schmerzen zu meiden. Es ist eher ungewöhnlich, ihn selbst herbeizuführen. Bei einigen Menschen wird es zur Besessenheit.


Ich hatte eine Patientin, die sich anfangs noch immer wieder Schnittwunden zufügte. So tief, dass das Blut lief. Dieses Blut verwendete sie dann sogar dazu, in ihr Tagebuch zu malen. Außerdem legte sie großen Wert darauf, dass die Schnitte nicht kreuz und quer verliefen, sondern geordnet waren.

Durch die Verletzung ihres Körpers wurde der seelische Schmerz gelöst. Außerdem hatte sie manchmal das Gefühl, sich nur auf diese Weise noch spüren zu können. Ein anderer Aspekt war, dass sie die Kontrolle über einen zugefügten Schmerz hatte.


Wer?


In einem Artikel habe ich gelesen, dass sich am häufigsten Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren verletzen. Professor Romuald Brunner, Lehrstuhlinhaber und ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) der Universität Regensburg am Bezirksklinikum Regensburg habe in den vergangenen Jahren wiederholt mehrere Tausend Jugendliche befragt.

Daraus gehe hervor, dass die Zahl der Betroffenen stark gestiegen sei. Man gehe davon aus, dass es ungefähr jeder 7te zumindest einmal mache. Fast ein Drittel bleibe dann dabei.


Warum?

Das kann leider nicht so pauschal beantwortet werden.

Die Gründe reichen von Missbrauch, Vernachlässigung über psychische Erkrankungen (z.B. Depression, Angststörungen usw.) bis hin zu einem geringen Selbstwertgefühl oder sogar Selbsthass.

Aber manchmal ist der Grund einfach nicht so ohne weiteres zu erkennen. Bei manchen der Betroffenen ist vordergründig alles in Ordnung. So gebe es, wie in einem guten Artikel zu lesen war, auch eine Anzahl von Jugendlichen, die ihre Gefühle nicht steuern und kontrollieren konnten. Man nennt dies auch affektive Dysregulation (seit wenigen Jahren offiziell anerkannt).


Meine Patientin fühlte sich immer wieder schuldig und schämte sich. Aber es gab auch Momente, in denen sie fast trotzig stolz ihr blutverschmiertes Tagebuch vorzeigte.


Sie verletzt sich momentan körperlich nicht mehr – aber eine Gewissheit für diese relativ stabile Phase gibt es nicht.


Kennen Sie auch jemanden, der sich selbst verletzt? Oder sind Sie selbst betroffen?

Lassen Sie uns reden.



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