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Wenn Gewalt als „Komödie“ verkauft wird

  • info119720
  • vor 3 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Neulich habe ich eine Verfilmung von „Der Widerspenstigen Zähmung“ gesehen. Ein Klassiker. Shakespeare. Weltliteratur.


Und ich saß davor und konnte nicht lachen.

Ich konnte nicht darüber hinwegsehen, dass dort eine Frau systematisch gebrochen wird — durch Demütigung, Manipulation, psychischen Druck und Machtspiele. Dass Kontrolle als Liebe verkauft wird. Dass Erniedrigung unterhaltsam sein soll.


Viele nennen das „historischen Kontext“. Aber manchmal frage ich mich: Wie oft entschuldigen wir Gewalt gegen Frauen noch immer mit Tradition, Humor oder Kultur?


Als Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeite ich mit Menschen, deren Grenzen überschritten wurden. Mit Frauen, die gelernt haben zu schweigen. Die sich angepasst haben, um Konflikte zu vermeiden. Die irgendwann nicht mehr wussten, ob ihr eigenes Gefühl überhaupt noch richtig ist.


Und genau deshalb trifft mich ein Stoff wie dieser nicht „nur literarisch“.

Denn psychische Gewalt beginnt selten mit einem Schlag. Sie beginnt oft mit Kontrolle. Mit Abwertung. Mit dem Brechen des eigenen Willens. Mit dem Satz: „Stell dich nicht so an.“ „Das war doch nur Spaß.“ „Du bist zu empfindlich.“


Wenn eine Frau mürbe gemacht wird, bis sie sich fügt, ist das keine romantische Entwicklung. Es ist kein Liebesbeweis. Und für viele Betroffene ist es auch nicht weit entfernt von eigenen Erfahrungen.


In meinem Sicherheitstraining „Wehr Dich!“ sprechen wir deshalb nicht nur über körperliche Selbstverteidigung. Wir sprechen über Grenzen. Über Wahrnehmung. Über Warnsignale. Über das Recht, unbequem zu sein.


Denn Mädchen und Frauen wird oft früh beigebracht:

  • nett zu bleiben,

  • nicht zu widersprechen,

  • zu lächeln,

  • sich anzupassen.


Aber Sicherheit beginnt nicht mit Anpassung. Sicherheit beginnt dort, wo ein Mensch spürt:

Ich darf Nein sagen. Ich darf laut werden. Ich darf mich wehren. Und ich muss mich nicht „zähmen“ lassen.


Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich dieses Stück so wütend macht. Weil es zeigt, wie tief die Idee verwurzelt ist, dass eine „schwierige“ Frau korrigiert werden müsse, bis sie angenehm wird.

Doch starke Frauen sind nicht widerspenstig. Sie sind lebendig. Klar. Grenzbewusst. Und manchmal unbequem.

Und das ist gut so.





 
 
 

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