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Warum wir Frauen es nie recht machen können

  • info119720
  • vor 4 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

„Sei einfach du selbst.“

Ein Satz, der wunderschön klingt. Bis man als Frau versucht, ihn tatsächlich zu leben.

Denn egal, was wir tun – irgendjemand findet es falsch.

Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, die Frauen von klein auf vermittelt, wie sie zu sein haben. Nur leider widersprechen sich diese Erwartungen ständig. Wir sollen schön sein, aber nicht zu schön. Selbstbewusst, aber nicht dominant. Sexy, aber nicht „zu leicht zu haben“. Mütterlich, aber bitte nicht nur Mutter. Erfolgreich, aber trotzdem immer verfügbar.

Und am Ende bleibt oft ein Gefühl zurück:


Egal, was ich mache – es reicht nicht.


Das Dilemma der Schönheit

Schminkst du dich?

Dann bist du künstlich, oberflächlich oder eine „Schlampe“.

Schminkst du dich nicht?

Dann siehst du müde, krank, ungepflegt oder „nicht weiblich genug“ aus.

Hast du eine Hakennase?

Wirst du dafür verspottet.

Du lässt Deine Nase operieren?

Zu wenig Selbstwert.

Hast du kleine Brüste?

Zu wenig weiblich.

Große Brüste?

Bestimmt Aufmerksamkeitssuche.

Flacher Po?

Unattraktiv.

Kurviger Po?

Zu aufreizend.

Bauchansatz?

„Lass mal Sport machen.“

Trainierter Körper?

„Die übertreibt aber.“


Und wenn eine Frau nach Jahren des Leidens und der Unsicherheit eine Schönheitsoperation durchführen lässt, wird sie oft erneut verurteilt.

„Wie oberflächlich kann man sein?“

Versteht mich nicht falsch: Aus psychotherapeutischer Sicht sind Schönheitsoperationen selten die Lösung für ein geringes Selbstwertgefühl. Doch die Ironie ist offensichtlich: Erst wird ein vermeintlicher Makel kritisiert, dann wird die Frau kritisiert, wenn sie versucht, ihn zu verändern.


Das Dilemma der Sexualität

Möchtest du keinen Geschlechtsverkehr?

Verklemmt.

Prüde.

Spaßbremse.

Möchtest du gern Geschlechtsverkehr?

Dann bist du angeblich leicht zu haben.

Zu freizügig.

Eine „Schlampe“.

Trägst du hochgeschlossene Kleidung?

Dann bist du langweilig oder verklemmt.

Trägst du einen tiefen Ausschnitt?

Dann wird diskutiert, ob du Aufmerksamkeit suchst.


Dabei sollte die einzige Frage lauten:

Fühlst du dich wohl damit?


Das Dilemma der Mutterschaft

Möchtest du keine Kinder?

Dann bist du egoistisch.

Karrierefixiert.

Unvollständig.

Hast du ein Kind?

Wann kommt das zweite?

Hast du zwei Kinder?

Warum nicht drei?

Hast du viele Kinder?

„Hat die keine anderen Hobbys?“

„Zu dumm zum Verhüten.“

Arbeitest du trotz Kindern?

Rabenmutter.

Bleibst du zuhause?

Nicht ambitioniert genug.

Frauen können in diesem Spiel nicht gewinnen, weil die Regeln ständig verändert werden.


Das Dilemma des Alters

Junge Frauen werden nicht ernst genommen.

Ältere Frauen gelten plötzlich als „unsichtbar“.

Hat eine Frau Falten?

Hat sie sich gehen lassen.

Lässt sie etwas dagegen machen?

Dann altert sie angeblich nicht in Würde.

Graue Haare?

Ungepflegt.

Gefärbte Haare?

Verzweifelt.


Das Dilemma des Erfolgs

Ist eine Frau erfolgreich?

Karrierefrau.

Eiskalt.

Zu dominant.

Hat sie beruflich weniger Erfolg?

Dann hätte sie sich eben mehr anstrengen müssen.

Verdient sie viel Geld?

Einschüchternd.

Verdient sie wenig?

Nicht ehrgeizig genug.


Das Dilemma der Persönlichkeit

Spricht eine Frau offen ihre Meinung aus?

Zickig.

Anstrengend.

Aggressiv.

Ist sie zurückhaltend?

Unsicher.

Schwach.

Langweilig.

Weint sie?

Zu emotional.

Zeigt sie keine Gefühle?

Kalt.


Was all diese Beispiele gemeinsam haben

Es geht selten wirklich um die Frau.

Es geht um gesellschaftliche Erwartungen.

Um Bewertungen.

Um Schubladen.

Und um den Versuch, Frauen ständig zu kontrollieren – über ihr Aussehen, ihre Sexualität, ihre Lebensentscheidungen und ihren Körper.


Als Heilpraktikerin für Psychotherapie sehe ich die Folgen davon täglich.

Frauen, die glauben, nicht gut genug zu sein.

Frauen, die sich ständig vergleichen.

Frauen, die sich schuldig fühlen, weil sie Entscheidungen treffen, die nicht jedem gefallen.

Und als Leiterin des Wehr Dich Sicherheitstrainings sehe ich noch etwas anderes:

Viele Frauen haben gelernt, es allen recht machen zu wollen.

Nicht aufzufallen.

Nicht anzuecken.

Nicht „zu viel“ zu sein.

Doch genau das macht verletzlich.

Wer ständig versucht, Erwartungen anderer zu erfüllen, verliert irgendwann den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen.


Deshalb möchte ich dir heute etwas sagen

Du musst nicht den Schönheitsvorstellungen anderer entsprechen.

Du musst nicht so leben, lieben oder aussehen, wie andere es von dir erwarten.

Du musst nicht die Rolle erfüllen, die jemand für dich vorgesehen hat.

Und du musst dich nicht ständig dafür rechtfertigen, wer du bist oder welche Entscheidungen du für dein Leben triffst.

Denn egal, welchen Weg du gehst:

Es wird immer Menschen geben, denen du zu viel bist.

Und andere, denen du nicht genug bist.

Zu laut oder zu leise.

Zu weiblich oder nicht weiblich genug.

Zu ehrgeizig oder nicht ehrgeizig genug.

Zu emotional oder zu kühl.

Das Problem ist nicht, dass du falsch bist.

Das Problem ist, dass du versuchst, widersprüchliche Erwartungen zu erfüllen, die sich oft gar nicht erfüllen lassen.


Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Was werden die anderen denken?“

Sondern:

„Kann ich morgens in den Spiegel schauen und mit meiner Entscheidung leben?“

Wenn die Antwort Ja lautet, dann ist die Meinung anderer oft nur genau das:

Eine Meinung.

Und keine Wahrheit.


Vielleicht wird es Zeit, dass wir Frauen aufhören, uns für jede Entscheidung zu rechtfertigen.

Und anfangen, uns die Freiheit zu nehmen, unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Nicht perfekt.

Nicht angepasst.

Sondern authentisch.

Vielleicht besteht Freiheit nicht darin, endlich allen zu gefallen.

Vielleicht besteht Freiheit darin, zu akzeptieren, dass du es niemals wirst.

Denn egal, wie du aussiehst, wie du dich kleidest, wen du liebst, ob du Kinder möchtest oder nicht, wie erfolgreich du bist oder welchen Weg du gehst:

Jemand wird etwas daran auszusetzen haben.

Nicht weil mit dir etwas nicht stimmt.

Sondern weil Menschen ihre eigenen Vorstellungen davon haben, wie eine Frau sein sollte.

Du bist nicht dafür verantwortlich, diese Vorstellungen zu erfüllen.

Du bist dafür verantwortlich, dein Leben zu leben.





 
 
 

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