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🌪️ Narzisstische Züge in der Influencer-Szene –

  • info119720
  • vor 8 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

gar nicht mal so selten


In einer Welt, in der Likes zur neuen Währung geworden sind und Filter ganze Realitäten verändern, begegne ich immer häufiger einem Thema, das mich nachdenklich stimmt: narzisstische Züge in der Influencer-Szene.


Und ja – gar nicht mal so selten.

Wir leben in einer Zeit, in der Selbstdarstellung nicht nur akzeptiert, sondern oft sogar belohnt wird. Aufmerksamkeit wird zur Bestätigung, Klicks werden zum Applaus, und das eigene Selbstbild hängt an der Resonanz fremder Menschen. Doch was passiert, wenn das Streben nach Anerkennung in ein unstillbares Bedürfnis übergeht – wenn das Außen wichtiger wird als das Innen?


Der schmale Grat zwischen Selbstliebe und Selbstinszenierung

Selbstliebe ist gesund, nährend und stabilisierend. Sie erlaubt uns, uns selbst mit Mitgefühl zu begegnen. Doch narzisstische Züge sind etwas anderes: Sie zeigen sich als Überbetonung des eigenen Ichs, oft als Schutzmechanismus gegen innere Unsicherheit, Scham oder Selbstzweifel.

In der Influencer-Welt verschwimmen diese Grenzen leicht. Ein perfektes Lächeln, makellose Haut, scheinbar müheloser Erfolg – alles sorgfältig inszeniert. Doch das Bedürfnis nach Bestätigung wächst mit jedem neuen Post. Und wenn die Zahlen sinken, fällt der Selbstwert gleich mit.


Wenn Menschen (und Tiere) zu „Content“ werden

Ein Phänomen, das mich besonders berührt, ist der Umgang mit anderen Lebewesen in dieser Szene. In narzisstisch geprägten Strukturen werden andere oft nicht als eigenständige Wesen wahrgenommen, sondern als Mittel zum Zweck – als Bühne, Projektionsfläche oder „Material“ für Aufmerksamkeit.

Ein Streit, eine Trennung, ein Drama – alles wird öffentlich ausgeschlachtet, weil es Klicks bringt. Das Leid anderer wird zur Unterhaltung. Und oft geschieht das nicht einmal aus bewusster Bosheit, sondern aus einer tiefen inneren Leere heraus: Wer sich nur über Resonanz von außen spüren kann, greift nach allem, was diese Resonanz verspricht.

Zunehmend geraten dabei auch Tiere in den Fokus – Hunde, Katzen, exotische Tiere oder sogenannte „Haustier-Stars“. Sie werden in Situationen gebracht, die ihnen Angst machen oder sie überfordern, nur damit sie „besonders lustig“ oder „niedlich“ wirken. Ein Zittern, ein erschrockener Blick, ein panisches Weglaufen – all das wird als Unterhaltung inszeniert, millionenfach geteilt, belacht.

Doch hinter diesen Sekunden steckt oft Stress, Überforderung, manchmal auch Leid. Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir: Hier wird ein fühlendes Wesen zu einem Requisit gemacht – für Klicks, für Reichweite, für Selbstbestätigung.


Die Scheinwelt der Perfektion – und ihre psychische Kehrseite

Nach außen hin wirkt alles makellos – innen aber herrscht oft Druck, Angst und das Gefühl, nie genug zu sein. Die Jagd nach Reichweite und Anerkennung kann zu einer gefährlichen Spirale werden. Nicht selten sehe ich Erschöpfung, depressive Verstimmungen oder Angstzustände, die aus dieser Überidentifikation mit einer künstlichen Persona entstehen.

Doch auch auf der anderen Seite – bei den „Followern“ – wirkt diese Dynamik zerstörerisch. Das ständige Vergleichen, das subtile Entwerten („Warum bin ich nicht so erfolgreich?“), all das nagt am Selbstwertgefühl und entfremdet uns von unserer eigenen Realität.


Authentizität als Heilungsweg

Was viele vergessen: Authentizität ist nicht nur ein Trendwort – sie ist ein psychisches Grundbedürfnis. Sich zu zeigen, wie man wirklich ist, mit Ecken, Kanten, Unsicherheiten und Fehlern, bedeutet, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

Es ist der Weg raus aus der Fassade – hinein in das echte Leben. Dorthin, wo Verbindung entsteht, nicht Bewunderung. Dorthin, wo man gesehen wird, nicht benutzt. Und auch dort, wo man anderen Lebewesen – Menschen wie Tieren – wieder mit Empathie begegnet.

Denn echte Stärke liegt nicht darin, Aufmerksamkeit zu erzeugen, sondern Verbindung zu schaffen.


💬 Mein Fazit: Narzisstische Züge in der Influencer-Szene sind kein oberflächliches Modephänomen – sie sind ein Spiegel unserer Zeit. Einer Zeit, in der Menschen zu Marken werden, Geschichten zu Strategien und Beziehungen – selbst zu Tieren – zu Content. Doch Heilung beginnt dort, wo wir wieder echtes Mitgefühl zulassen. Wo wir uns nicht mehr fragen, wie wir wirken – sondern wer wir wirklich sind.






 
 
 

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