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Jugendsprache - Fremdsprache? -

  • info119720
  • vor 2 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

meine Abenteuer als Sprachdetektivin


Manchmal, wenn ich mit Jugendlichen oder jungen Erwachsenen arbeite – was ich wirklich, wirklich gerne tue – habe ich das Gefühl, gerade eine neue Fremdsprache zu lernen. Nur dass diese Sprache nicht in einem Lehrbuch steht, keinen Vokabeltrainer hat und manchmal sogar innerhalb von 24 Stunden ihre Grammatik komplett ändert. Ich nenne sie liebevoll: Jugendsprache 2.0.


Ich erinnere mich an das erste Mal, als ein junger Klient zu mir sagte: „Das ist voll cringe, ey.“ Mein inneres Übersetzungsprogramm ratterte: Cringe… cringe… Moment, was heißt das nochmal? Glücklicherweise kann ich Englisch, also schob ich mental die deutsche Bedeutungswolke über „cringe“: peinlich, unangenehm, oh Gott, nein! – ja, ungefähr so.


Aber dann kommt der Moment, an dem auch Englisch nicht mehr weiterhilft. „Alter, das ist so sus!“ Okay… sus? Ich checke, rechne, überlege, vergleiche mit ähnlichen englischen Wörtern… und dann muss ich nachfragen. „Kannst du mir das erklären?“ Und plötzlich öffnet sich ein kleines Fenster in die Welt des Jugendlichen, in das Universum, das sie umgibt, mit Memes, TikTok-Trends und Insiderwitzen, die nur sie verstehen.


Und genau das ist das Wunderbare daran. Ich darf mit ihnen lachen, gemeinsam rätseln und manchmal ganz offen zugeben: „Ich hab’s noch nicht gecheckt. Erklär’s mir nochmal.“ Diese Momente sind pure Verbindung.


Natürlich gibt es immer diese Wörter, die ich dann in meinem mentalen Lexikon abspeichere – „lit“, „sus“, „lowkey“ – und die ich irgendwann selbst in Gesprächen einbauen könnte, um zu zeigen, dass ich irgendwie dabei bin. (Spoiler: Es klappt selten.)


Ich liebe diese Arbeit, weil sie mich jung hält, neugierig macht und mir zeigt, wie lebendig Sprache sein kann. Und manchmal, wenn ich eine besonders kryptische Aussage höre, muss ich lachen – laut, herzhaft und ein bisschen verzweifelt – und denke: Ja, okay, Jugendsprache, du hast gewonnen. Aber ich geb’ nicht auf!


Und während ich noch versuche, die neuesten Begriffe zu decodieren, freue ich mich schon auf das nächste Gespräch. Denn egal wie fremd mir manche Wörter erscheinen – die Menschen dahinter, ihre Geschichten, ihre Gefühle, das bleibt für mich immer verständlich.






 
 
 

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