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Wenn Lachen weh tut – Mobbing unter Jugendlichen

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  • vor 5 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Es beginnt oft ganz harmlos. Ein flüchtiger Blick, ein kichernder Kommentar, ein Witz auf Kosten eines anderen. Was zunächst wie eine kleine Neckerei aussieht, kann sich schnell zu einem zerstörerischen Kreislauf entwickeln – zu Mobbing.


Wie Mobbing entsteht

In Schulen, besonders in Gruppen, suchen Jugendliche nach Zugehörigkeit und Bestätigung. Manchmal reicht ein einziges "Anderssein", um aus dem Gleichgewicht zu geraten: Ein Mädchen kleidet sich etwas anders, ein Junge ist ruhiger als die anderen, jemand bringt außergewöhnlich gute Leistungen oder spricht weniger.

Zunächst sind es kleine Sticheleien – ein Spitzname, ein Lacher über einen Versprecher, eine private Nachricht in der Klassengruppe, die „nur Spaß“ sein soll. Doch Schritt für Schritt verändert sich etwas.


Die anfänglichen Freunde lachen mit, statt einzuschreiten. Das Opfer steht plötzlich allein da. Und das Schlimmste: Die ehemaligen Verbündeten werden zu den neuen Gegnern.


Wenn Freunde zu Tätern werden

Jugendliche berichten mir in der Praxis, dass sie den größten Schmerz nicht durch die Beleidigungen selbst empfinden, sondern durch den Verlust ihrer Freunde. „Gestern saßen wir noch nebeneinander, heute tuscheln sie über mich. “Dieses Gefühl von Verlust, Ohnmacht und Verrat brennt sich tief in die Seele.


Freunde, die sich den Mobbern anschließen, tun das selten aus Bosheit. Oft aus Angst, selbst zum Ziel zu werden. Aber für das Opfer fühlt es sich an, als würde der Boden unter den Füßen wegbrechen.


Was Mobbing mit der Psyche macht

Mobbing ist kein "Konflikt". Es ist eine systematische Demütigung, die psychische Wunden hinterlässt.


Betroffene Jugendliche beschreiben Gefühle wie:

  • Scham („Was stimmt nicht mit mir?“)

  • Hilflosigkeit („Ich kann nichts dagegen tun.“)

  • Angst („Was passiert morgen?“)

  • Einsamkeit („Niemand steht mehr zu mir.“)


Viele ziehen sich zurück, die Schulnoten sinken, Schlaf und Appetit verändern sich, und manchmal wachsen die dunklen Gedanken: „Wenn ich nicht da wäre, wäre es vielleicht einfacher.“


Diese Gedanken sind Alarmzeichen, die ernst genommen werden müssen.


Wer Opfer wird – und warum

Jedes Kind kann betroffen sein. Aber besonders häufig geraten Jugendliche in den Fokus, die sensibel, empathisch, ruhig oder einfach „anders“ sind. Sie spüren Spannungen intensiver und reagieren oft nicht aggressiv zurück – was die Mobber als Schwäche interpretieren.


In Wahrheit ist es eine Stärke, nicht zurückzuschlagen. Aber Jugendliche brauchen Unterstützung, um das zu verstehen und ihre Selbstachtung zu bewahren.


Wie Eltern, Lehrer und Freunde helfen können

Das Wichtigste ist: Hinsehen. Zuhören. Ernst nehmen.


  • Nicht bagatellisieren: „Das ist doch nur Spaß“ – ist es eben nicht.

  • Gespräche anbieten: Ruhig, ohne Druck. Manchmal braucht es viele Anläufe, bis ein Kind sich öffnet.

  • Grenzen setzen: In der Schule sollte Mobbing klare Konsequenzen haben.

  • Selbstwert stärken: Jugendliche müssen spüren, dass ihr Wert nicht von der Meinung anderer abhängt.

  • Professionelle Hilfe suchen: Eine psychotherapeutische Begleitung kann helfen, das Erlebte zu verarbeiten und neue Stärke zu entwickeln.


Ein Lichtblick

Viele Jugendliche, die Mobbing erlebt haben, entwickeln später eine bemerkenswerte Tiefe, Empathie und Stärke. Sie wissen, wie es sich anfühlt, verletzt zu werden – und sie entscheiden sich bewusst dagegen, andere zu verletzen.

Mobbing zerstört Vertrauen – doch mit Verständnis, Mitgefühl und professioneller Unterstützung kann neues Vertrauen wachsen. Und manchmal entsteht daraus eine Kraft, die andere inspiriert und schützt.


✨ Abschließende Worte

Wenn du das Gefühl hast, dein Kind oder ein Jugendlicher in deinem Umfeld könnte Opfer von Mobbing sein – zögere nicht, Hilfe zu holen.


Niemand sollte allein durch diese Dunkelheit gehen.






 
 
 

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