Missbrauch von Frauenrechten und Solidarität
- info119720
- vor 20 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt Themen, die berühren mich nicht nur fachlich, sondern ganz tief als Frau, als Therapeutin und als Leiterin eines Sicherheitstrainings für Frauen. Eines davon ist der Moment, in dem etwas eigentlich Verbindendes – Solidarität unter Frauen, das gemeinsame Einstehen für Sicherheit, Würde und Rechte – plötzlich verdreht und instrumentalisiert wird.
Ich arbeite täglich mit Frauen, die lernen möchten, sich zu schützen. Die ihre Stimme finden wollen. Die spüren, dass ihre Grenzen zählen. Und ich sehe, wie viel Kraft darin liegt, wenn Frauen sich gegenseitig stärken. Wenn sie sich nicht mehr klein machen. Wenn sie sich nicht mehr gegeneinander ausspielen lassen.
Doch genau diese Kraft wird zunehmend missbraucht.
Da wird die berechtigte Angst von Frauen vor Gewalt genommen – und in eine Richtung gelenkt, die nicht schützt, sondern spaltet. Da wird so getan, als ließe sich Sicherheit dadurch herstellen, dass man bestimmte Gruppen pauschal ausgrenzt, entmenschlicht oder zum Feind erklärt. Plötzlich geht es nicht mehr um Frauen. Es geht um Ideologie.
Und das macht mich wütend.
Denn echte Sicherheit entsteht nicht aus Angst. Sie entsteht aus Klarheit, Selbstwirksamkeit und Verbindung. Sie entsteht, wenn Frauen lernen, sich selbst ernst zu nehmen – und gleichzeitig nicht ihre Menschlichkeit verlieren. Wenn wir hinschauen, statt vorschnell zu urteilen. Wenn wir differenzieren, statt zu vereinfachen.
Als Heilpraktikerin für Psychotherapie sehe ich, was Angst mit Menschen macht. Angst verengt. Sie sucht nach schnellen Antworten. Sie will Kontrolle. Und genau da setzt Propaganda an: Sie bietet scheinbar einfache Lösungen für komplexe Probleme. Sie nutzt Emotionen, um Denken zu ersetzen.
Doch wir dürfen uns nicht benutzen lassen.
Nicht unsere Wut. Nicht unsere Verletzlichkeit. Nicht unseren Wunsch nach Sicherheit.
Denn sobald Frauenrechte dafür eingesetzt werden, andere abzuwerten oder auszugrenzen, verlieren sie ihren eigentlichen Kern. Feminismus – in seiner gesunden Form – steht für Gleichwertigkeit, für Selbstbestimmung, für Würde. Für alle.
Ich glaube zutiefst daran, dass wir stark sein können, ohne hart zu werden. Wachsam, ohne paranoid zu sein. Klar, ohne kalt zu werden.
Und ich wünsche mir, dass wir als Frauen wieder mehr zueinander finden. Dass wir uns fragen: Dient das, was ich gerade teile oder glaube, wirklich meinem Schutz – oder wird hier etwas in mir angesprochen, das mich manipuliert?
Sicherheit beginnt nicht im Außen. Sie beginnt in uns.
In der Fähigkeit, zu fühlen und trotzdem zu reflektieren. In der Entscheidung, uns nicht gegeneinander aufhetzen zu lassen. In der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – für uns selbst und für die Art, wie wir miteinander umgehen.
Lasst uns wach bleiben. Und gleichzeitig verbunden.
Denn echte Stärke erkennt man nicht daran, wie laut sie gegen andere ist – sondern daran, wie klar sie für sich selbst steht.





Kommentare